FAI World Championships
for
 Indoor Models F1D
August 17th – 22th, 2008 Belgrade, Serbia

Bericht v. Gerd Wöbbeking

 

1. Tag F1D-WM 2008 in Belgrad – spannender Wettkampf mit Lutz Schramm knapp in Führung

 

Nach dem 19. August, dem ersten von drei Tagen der Saalflug-Weltmeisterschaft in Serbien, zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ivan Treger (SVK) und Lutz Schramm aus Erfurt ab. Die sieggewohnten US-Amerikaner zeigten bislang erst bei den Junioren die gewohnten, herausragenden Leistungen.

 

Die serbischen Organisatoren hatten die Messehalle 1 – einen eleganten Kuppelbau der 60er Jahre aus Stahlbeton – perfekt hergerichtet. Vor allem eine gewaltige Hängekonstruktion mit Lampen und Lautsprechern war aus dem Zentrum der 27,5 m hohen Kuppel entfernt worden – der Sportminister der Stadt Belgrad hatte sich trotz des enormen Aufwandes dafür eingesetzt. Blieb ein riesiger, linsenförmiger Luftraum von rund 100 m Durchmesser – besser als jeder bekannte, den wir in Europa für Saalflug nutzen können. Schon der Vorwettbewerb hatte die gute Eignung dieser Halle bewiesen, trotz der 5500 runden Fenster in der Deckenkonstruktion. Temperaturbedingt gibt es jedoch in unterschiedlichen Höhen mehr oder minder starke Drift, die das Steuern mit Ballons unumgänglich macht. Dafür werden die wie langsame Insekten kreisenden Modelle in der Höhe mit der dicken Leine großer Heliumballons eingefangen und gegen die Drift langsam durch die Halle gezogen.

 

Um den Einfluss der Sonneneinstrahlung so gering wie möglich zu halten, beginnt die Wertung an den ersten beiden Tagen erst um 15 Uhr. Jede Runde dauert 3 ½ Stunden, mit einer Pause von zwei Stunden. Kurz vor Ende von Runde 1 landete Lutz Schramm, Europameister von 2007, einen Knaller: 36:18 min flog er unter großem Beifall mit den 1700 Umdrehungen seines 0,6 g-Gummimotors - Weltrekord für Hallen unter 30 Meter.

 

Ivan Treger aus der Slovakei, der den Vorwettbewerb gewonnen hatte, legte wenige Stunden später nach und verbesserte die Weltrekordzeit auf 36:23 min. Mit guten 34:31 in Runde 1 hatte er bereits erstaunliche 70:54 min beisammen, jedes WM-Sieges würdig (es werden die besten beiden Zeiten aus 6 Runden gewertet). Lutz Schramm wollte das so nicht stehen lassen. Nachdem er beim Aufziehen bereits vier Gummimotoren zerrissen hatte, startete er knapp vor Ende der Runde um 23.55 Uhr. Unglückliche Steuermanöver kosteten mehrere Meter Höhe, doch der Flug brachte noch 34:42 min. In Summe 70:59 min – 5 Sekunden Führung für den Deutschen nach Tag 1 im heißen Belgrad.




20. August, 2. Tag F1D-WM 2008 in Belgrad – die Amerikaner holen auf

Wer am 2. Tag neue Bestleistungen erwartete, wurde enttäuscht: Weder Lutz Schramm noch Ivan Treger vermochten ihre Leistungen von Dienstag zu wiederholen. Dieser war noch besser dran als jener: Ivan Treger flog nachmittags glatte 35 Minuten und verbesserte damit sein Gesamtergebnis auf 71:23 min, während Lutz Schramm kein sehr guter Flug gelingen wollte.
Es begann damit, dass ein bereits eingehängter Gummi riss und sein Modell Nr. 1 beschädigte. An Modell Nr. 2 brach der Leitwerksträger. Modell Nr. 3 war rechtzeitig in de Luft, verhakte sich aber beim Steuern – nach 9:36 war die Chance dieser Runde zu Ende. Nachts – Runde vier wurde um 20.30 h eingeläutet – stieg ein aus den intakten Teilen zusammengesetztes Modell nur auf halbe Hallenhöhe. Es war nicht mehr möglich gewesen, es fertig zu trimmen, da nach Rundenstart keine Trimmflüge erlaubt sind – dafür waren dann die 29:44 min nicht schlecht. Mit den 71:00 min aus den beiden ersten Runden liegt Lutz nun auf Platz 2.
Als Dritter und nach wie vor Mit-Favorit schob sich John Kagan (USA) nach vorn. Statt zweiter 34er-Flüge schaffte er bis Mitternacht zwei 35er, in Summe 70:53 min. Ohne spektakulären Einzelflug überzeugt er durch die beste, die gleichmäßigste Serie mit kontinuierlicher Steigerung. Seine Modelle sind dabei bemerkenswert einfach. Während man hier über die kunstvollen Ellipsen von Lutz Schramm als „Spitfire from Germany" scherzt, seien Kagan’s Modelle „Stukas from USA", meint US-Team Manager Rob Romash. Auch der Vierte Platz wird derzeit von einem Amerikaner gehalten. Doug Schaefer, ehemaliger Junioren-Weltmeister liegt aber mit in Summe 66:43 min aus zwei Flügen noch deutlich zurück.
Bei den Junioren ist Justin Young mit 66:14 min kaum schlechter. Zweite nach vier Runden ist Gabriela Kaplanova mit 59:02 min, der Szene noch als quickes kleines Mädchen bekannt, die mit ihrem Vater die CargoLifter-Wettbewerbe besuchte. Die junge Dame beherrscht das hier so wichtige Steuern mit den Ballons, dass viele ältere nur neidisch staunen.
Da sich kein dritter deutscher Teilnehmer für das Senioren-Team fand, helfen auch Uwe Bundesen’s gute 60:32 min nicht bei der Team-Wertung (er verbesserte sich in Runde vier auf 31:38 min). Rainer Lotz, nach fünf Jahren wieder dabei, fliegt als Einzelstarter für die Schweiz – er lebt und arbeitet dort. Bei den Senioren-Teams in Führung liegen nach Tag 2 die Briten – auf den Plätzen 5, 7 und 11 – vor den US-Amerikanern.








 

21. August, 3. Tag F1D-WM 2008 in Belgrad und würdiger Abschluss
Die Wertungsflüge begannen – mit Rücksicht auf das Abschlussprogramm – bereits um 10 Uhr. Wer gedacht hatte, die Leistungen würden jetzt schlechter, weil die Luft durch die sich aufbauende Sonneneinstrahlung noch turbulent sei, wurde angenehm enttäuscht. Zwischen Tag und Nacht praktisch kein Unterschied in Drift und Leistung, die ja auch durch unmerkliche Auf- und Abwinde beeinflusst wird.
So konnten sich die führenden Ivan Treger wie Lutz Schramm mit 35-Minuten-Flügen verbessern, beide in Runde 6, ohne jedoch ihre Weltrekordzeiten zu erreichen. Beide steigerten sich dadurch auf 71:48 (Gold für Ivan) bzw. 71:19 min (Silber für Lutz) als Summe zweier Flüge – gefolgt vom US-Amerikaner John Kagan, der allerdings seine 35 min-Flüge vom Vortag nicht wiederholen konnte. Er war im Übrigen hoch zufrieden – seine beste Zeit von 35:38 min ist US-Rekord für Hallen bis 30 m Höhe!
Mehrfach-Weltmeister James Richmond schob sich dank eines 33:10-Fluges an Doug Schaefer vorbei auf den 4. Platz – mit den Plätzen 3 bis 5 waren die Amerikaner klare Sieger in der Team-Wertung, gefolgt von Großbritannien und Ungarn. Im Einzel auf Platz 6 folgte der Rumäne Aurel Popa, Weltrekord-Inhaber in der Kategorie IV mit 41:42 min. Diese Fabelzeit wurde am 28. Juni 2003 in der 106 m hohen CargoLifter Werft geflogen. Um die Qualität der Belgrader Halle 1 abzuschätzen die Erinnerung, dass Peter Kuttler beim ersten CargoLifter-Werft-Weltrekord 35:32 min auf der Stoppuhr hatte – eine Zeit, die in der nur 27,5 m hohen Halle in Belgrad unter ungleich schwierigeren Bedingungen immerhin dreimal überboten wurde.
Das Geheimnis sind die in Belgrad verwendeten Propeller mit variabler Steigung. Bei hohem Drehmoment stellen sich die Propellerblätter steiler an als später, wenn der Gummimotor Kraft verloren hat. Die Modelle brauchen lange 7 bis 10 Minuten bis zur Hallendecke, die sie tunlichst gar nicht erreichen. Sie sinken dann sogar wieder etwas ab, bis sie der Übergang zu flacherer Propellersteigung noch einmal auf Höhe bringt. Erst danach beginnt der - möglichst langsame - Sinkflug. Die Propellernaben aus Carbon, Stahl und Aluminium sind jede für sich technische und handwerkliche Meisterleistungen; sie wiegen ungefähr 0,1 g und brauchen Wochen für ihre Entwicklung. Mit den dabei gefertigten Werkzeugen lässt sich ein Stück dann in rund zehn Stunden herstellen.
Diese komplexe Technik macht es Junioren schwer, in der Leistung mitzuhalten. Umso erstaunlicher die Leistungen von Justin Young (USA, Weltmeister mit 66:14 min aus 2 Flügen), gefolgt von seinem Landsmann Timothy Chang (60:59 min) und Gabriela Kaplanova (CZE, 59:23 min). Young wäre bei den Senioren auf Platz 8 gelandet. Groß die Freude bei den liebenswürdigen Junioren aus Tschechien, als sie mit ihrem großartigen Lehrer und Team Manager Mikita Kaplan zusammen die Goldmedaille in der Teamwertung gewannen, gefolgt von den Teams aus Polen und Rumänien.
Die Serben haben sich wieder einmal als wunderbare Gastgeber erwiesen. In einem abgetrennten Teil der Halle gab es warmes Essen – auch, als am Montag das Fliegen auf nachmittags und nachts verschoben wurde. Als Zeitnehmer waren liebenswürdige junge Leute verpflichtet worden, die dem ganzen Geschehen ein fröhliches Gepräge gaben. Und das Restaurant des Aero Clubs im Stadtzentrum – sonst Treffpunkt von Diplomaten und Wirtschaftsleuten – bot ein großartiges Abschlussbankett. – Die EM 2009 wird ein anderer Verein in der gleichen Halle austragen.